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Chronik Rückblick: Videodrom 9 | Videodrom 8 | Videodrom 7 | Videodrom 6 | Videodrom 5 | Videodrom 4 | Videodrom 3 | Videodrom 2 | Videodrom 1 Videodrom film & lecture 9 (14. November 2008) ![]() In Kooperation mit kinovi[sie]on präsentierte Videodrom film & lecture eine Videoarbeit von Kawase Naomi. Die lecture hielt Barbara Aschenwald. Kawase ist die bekannteste japanische Filmemacherin der jungen Generation. Der arbeitsamen und erfolgsorientierten Gesellschaft setzt sie private Miniaturen entgegen, nützt die Videokamera zum Erinnern und Erkunden, wie sich Biographien schreiben, im Kleinen, mit den eigenen klein-großen Wunden. Kawase wurde 1969 in Nara geboren. Sie studiert Film am Visual Arts College in Osaka. Ihre ersten drei Filme kreisen alle um die Familie, insbesondere um ihre Großmutter, bei der sie aufwächst, nachdem sie von ihrem Vater verlassen wurde. Sie wurde 1997 als jüngste Regisseurin in Cannes ausgezeichnet. kinovi[sie]on präsentierte am Sa, 8. November im Cinematograph MOGARI NO MORI / THE MOURNING FOREST von Kawase Naomi (Großer Preis der Jury Cannes 2007) Videodrom film & lecture wollte „Sky, Wind, Fire, Water, Earth“ von Kawase Naomi (Japan 2001, OmeU, 50 Minuten) zeigen - doch dann geschah es: Durch ein Versehen wurde der Vorgängerfilm „Embracing“ (1992) gezeigt! Es ist wohl der Ähnlichkeit der beiden Filme geschuldet, dass keine Unruhe im Publikum entstand. Und der Text von Aschenwald, den diese spontan an manchen Stellen abänderte, gewann womöglich noch an Spannkraft. Gleich blieb der Vorfilm: „Japon: 1 Foreign Country” von Yabuki Takako (Japan/F 2002, OmeU, 20 Minuten) „Embracing“ ist der erste Film Kawases, in dem sie die Abwesenheit des Vaters mittels Super 8 und Videokamera dokumentarisch inszeniert. „Embracing“ ist vielleicht noch ein bisschen brüchiger, spröder, fragiler als „Sky, Wind, Water, Earth“, merkbarer das frühere Werk einer jungen Regisseurin. „Sky, Wind, Fire, Water, Earth” von Kawase Naomi „Gegen die Unvergänglichkeit der Elemente setzt Kawase berührend flüchtige Aufnahmen privater Natur: ihre Großmutter, die sie nach der Trennung ihrer Eltern aufzog, in kurzen Gesprächen und bei der Gartenarbeit, die einstige Suche nach dem nie gesehenen Vater, Erinnerungen an den Gewinn der Goldenen Kamera mit ihrem Debütfilm Suzaku, wobei die Regisseurin nicht davor zurückschreckt, ihre manchmal durchaus prätentiösen Selbstzweifel auszustellen. Diese mutige und sehr fragile Selbstbefragung kulminiert schließlich in einer faszinierenden, langen Szene in einem Tattoo-Shop. Kawase erwägt, sich tätowieren zu lassen: Ein symbolisches Einschreiben der Verlustgefühle als Zeichen auf dem eigenen Körper.Es entspinnt sich eine ausführliche Grundsatzdiskussion mit dem Betreiber des Geschäfts, in der die zuvor durch poetische Montage gestellten Fragen des Films von verschiedenen Standpunkten aus rekapituliert werden: Lassen sich persönliche Emotionen durch künstlerische Repräsentation (als Film, als Tätowierung) wiedergeben? Wo endet die psychische, wo beginnt die körperliche Dimension des Schmerzes? Bis zu welcher Grenze ist die obsessive Beschäftigung mit der eigenen Vergangenheit berechtigt? (Der Inhaber erinnert daran, dass sich in Japan nur die Yakuza tätowieren lassen und Kawase bis an ihr Lebensende stigmatisiert sein wird.) Die Antworten bleiben in der Schwebe: In einem der schönsten Schlussbilder des Jahres läuft Kawase in den Sonnenuntergang, am Rücken eine riesige Tätowierung, von der man nicht weiß, ob sie echt ist.“ (Christoph Huber) Der Vorfilm „Japon: 1 Foreign Country” von Yabuki Takako erzählte von einer jungen Frau, die als Partnerersatz mit einer lebensgroßen Schaufensterpuppe zusammenlebt. „Japon: 1 Foreign Country“ ist sowohl soziale Studie der japanischen Gesellschaft, in der sich Frauen ab 30 als alt empfinden, als auch eine Philosophie über Einsamkeit. Lecture: Barbara Aschenwald Die Schriftstellerin Barbara Aschenwald zählt zu den wichtigen Nachwuchsautorinnen Tirols. Mit ihrem Hörspieldebüt „Manchmal fürchte ich mich vor dem Fleisch, aus dem ich gemacht bin. Monolog für eine Frauenstimme“ zeigt sie eine ebenso archaische wie losgelöste Prosa über die ersten und letzte Dinge der Innenwelten. Videodrom film & lecture 8 (21. April 2008) ![]() Film Goes Lyrical Kurzfilme von Lotte Schreiber, Elke Groen, Siegfried A. Fruhauf, Ben Pointeker, Michaela Grill Lecture: Händl Klaus Dem Filmschaffen ist der experimentelle Kurzfilm, was das Gedicht der Literatur ist. Der Eindruck eines Momentes und das mäandernde Erfassen eines Bildes im Bild durch die Beschleunigung oder das Anhalten der Zeit. Eine Narration gegen rationale Regeln, eine Rückführung in den sinnlichen Seinszustand und seine Abstraktion zugleich. In Österreich ist die Tradition des experimentellen Kurzfilms durch Avantgardefilmer wie Kurt Kren, Valie Export, Dietmar Brehm, Peter Tscherkassky und Martin Arnold weit über die Landesgrenzen hinaus be- und anerkannt. „Film Goes Lyrical“ präsentierte eine Auswahl von Kurzfilmen führender VertreterInnen der jungen Generation des österreichischen Experimentalfilmschaffens: In einem Bogen von der Sonne ("Sun" von Siegfried A. Fruhauf, Attwenger-Musicclip) bis zur Finsternis (".....::::cccOOOCCoooo::." von Ben Pointeker) spannte sich das Experimental-Kurzfilmprogramm zwischen Wohnsiedlungen ("Quadro" von Lotte Schreiber), Alpen ("NightStill" von Elke Groen) und Städten ("Cityscapes" von Michaela Grill und Martin Siewert) auf. Dazwischen erblühte Kurzprosa von Händl Klaus, füllte die leeren Fensterrahmen aus "Quadro", die Ewigkeit der Alpen im Zeitraffer und die menschenleeren Plätze aus "Cityscapes" mit dunklen Geschichten von Sehnsucht und Einsamkeit. Textauszug aus "NY": NY. Was für ein trauriger Tag, an dem die Freundschaft…von Dieter und Meinrad verdarb. Sie verstanden einander nicht mehr, kannten einander aber seit Jahren, als sie Gärtner werden wollten, um im Park von Oberlaa zu arbeiten, was sie seither taten. An den Wochenenden trimmten sie im Stillen und von Hand…zum Schutz der Sonntagsruhe anvertraute Hecken um die Villen…ihrer Stadt. Ganze Gärten planten sie, züchteten Geranien, die sie an den Bauernmarkt verkauften, und, weil sie ans Alter dachten, sparten. Ihre Frauen, die Verkäuferinnen waren, hatten keine Kinder. So er…spart…en sie sich einig…es. Eines…letzten Tages standen die Freunde zwischen Jasminen. Sie schauten vom Grünen ins Grüne. Lang gab es nichts zu bereden. Schon waren sie still. Meinrad fiel ein, daß er nach Manhattan fahren wolle. Denn er kannte Amerika nicht. Er hatte seinen Kontinent noch nie verlassen. Ihn erregte der Gedanke an New York, …seine Bauten, die sehr hoch sein mußten. Dieter schwieg, was Meinrad lang für Freude hielt. Doch die Lider flackerten, es fiel ihm zu Amerika…nichts ein. Niemals hätte er daran gedacht. Von Meinrad hätte er es nicht erwartet. Es war ihm zu groß. Es grenzte an Verrat. Er sah überwältigt aus, schwieg aber weiterhin…nach außen wie gefaßt und wirkte bald, und härter noch, je länger er…noch schwieg, obwohl die Lider zuckten, gleichgültig, am Ende überheblich. Meinrads Frau, die im Geschäft von Zeit zu Zeit auch Englisch sprach, freue sich…auch. Er selbst verstand kein Wort. Er werde einen Kurs besuchen. Dieter harrte aus. Es war ihm flau. Was die Reise kosten sollte, wollte er nicht wissen, während Meinrad ihm versprach, die Zedern, die im Central Park gediehen, Stamm für Stam…m zu zählen. Sie hatten die Zedern am liebsten. Es gab eine große Zeder im Park. Aber Dieter schwieg…noch immer. Meinrad wandte sich…schließlich ab.. Beide verstummten…für immer. Sie erledigten die Arbeit, die sie hatten, nach wie vor, gingen aber, wo es ging, getrennte Wege. Es war ein trauriger, lähmender Tag. copyright Händl Klaus Händl Klaus (1969 Rum bei Innsbruck)ist ein Meister der kleinen Form ("Legenden", 1995), ein Verdichter entkoppelter Wahrnehmungen ("Ich ersehne die Alpen; So entstehen die Seen" / Theaterstück 2001) und ein unruhiger Geist, der jeden Moment in seinen unzähligen Notizen in Literatur verwandelt, er selbst ein Zeitraffer, ein literarisches Objektiv auf die Welt, die er von seinem Basislager in der Schweiz aus ständig bereist. Zahlreiche Literaturpreise, zahlreiche Nebenrollen in Fernseh- und Kinofilmen (u.a. von Jessica Hausner, Michael Haneke). Mit „März“ stellt er soeben sein Kino-Regiedebüt fertig. Das Filmprogramm „Film Goes Lyrical“: SUN (Siegfried A. Fruhauf) Ein Attwenger-Clip zum gleichnamigen Song: Wir schauen der Sonne ins Auge und haben Musik im Ohr ... (6 Minuten, Farbe, A 2003) Quadro (Lotte Schreiber) „Quadro“ ist das filmische Porträt eines monumentalen 60er-Jahre-Wohnblocks in der italienischen Küstenstadt Triest. Wie eine Ritterburg schwebt dieses imposante Gebäude mit quadratischem Grundriss auf einem Hügel über der Stadt. Den Materialien Sichtbeton und Glas setzt die Künstlerin und Architektin Lotte Schreiber Super-8 und Digitalvideo entgegen, entwickelt einen kontemplativen Bilderfluss mit dem eindringlichen elektronischen Soundtrack von Stefan Neméth. (Norbert Pfaffenbichler) Lotte Schreiber ist eine begnadete Landschaftsvermesserin, die von ihr gefilmten Objekte scheinen auf geheimnisvolle Weise mit ihr zu sprechen, ihre Experimentalsprache ist klar und subjektiv, überraschend und voller Sogkraft. (10 Minuten, Schwarzweiß, A 2002) NightStill (Elke Groen) Von brüchigen Sounds begleitet ziehen eilige Wolkenschwärme über die Kuppen des Dachsteingebirges. Gondeln zischen als fremde Flugobjekte vorüber. Dicke Nebeldecken packen Felsen ein. Ein Windrad dreht durch. Hie und da erscheinen Menschen Phantomen gleich im Schneeweiß. Der Mond steigt, glüht, stürzt, verschwindet und geht doch immer wieder auf. „NightStill“ von Elke Groen ist eine knapp neunminütige filmische Vermessung der Dachsteinregion in den österreichischen Alpen mittels einer Verfremdungstechnik. Jeder Filmkader wurde eine halbe Minute belichtet, das macht pro Filmsekunde zwölf Minuten und pro Filmminute zwölf Stunden Realzeit, die hier aufgehoben sind. Aus dem Azurblau regnen zarte Sternenschauer. Der Mensch steht mittendrin und schüttelt freudig staunend seinen Kopf. (Isabella Reicher) (9 Minuten, Farbe, A 2007 ) cityscapes (Michaela Grill, Martin Siewert) Die Wahrnehmung der Stadt in der Moderne ist gekennzeichnet durch Flüchtigkeit und Zufälligkeit. Diese setzt sich zusammen aus vorbeirasenden Fragmenten von sozialen und architektonischen Konstruktionen. „cityscapes“ versucht Archivaufnahmen aus dem Österreichischen Filmmuseum in diesem Sinne lesbar zu machen. Einzelne Bilder werden aus dem kinematographischen Fluss isoliert und die ihnen eingeschriebenen Wahrnehmungsmöglichkeiten untersucht. Für Walter Benjamin zerfällt die Geschichte in Bilder, nicht in Geschichten. „cityscapes“ ist eine Spurensuche dieser Bilder. (Michaela Grill, Martin Siewert) (16 Minuten, Schwarzweiß, A 2007) .....::::cccOOOCCoooo::. (Ben Pointeker) Eine der pragmatischen Lösungen des Problems, im Kino oder im Theater den Weg zu finden, sind die kleinen Lichter, die – hier und dort im Halbverborgenen – den Menschen zeigen, wohin sie ihren Fuß setzen dürfen und wohin nicht, ihnen den Platz und wieder den Ausgang weisen. Nun stell dir vor: völlige Finsternis. Tritt ein. Hör auf dir etwas vorzustellen und sieh „....:::ccccoCCoooo:: .“(Frans-Willem Korsten) (9 Minuten, Farbe, A 2007) Alle Filme befinden sich im Verleih von sixpackfilm (Wien). Weitere Angaben zu den Filmen und RegisseurInnen auf www.filmvideo.at Videodrom film & lecture 7 (18. November 2007) DIE SCHÖPFER DER EINKAUFSWELTEN von Harun Farocki Sie werden immer mehr zu modernen Freizeittempeln: Die urbanen Einkaufszentren (auch Malls genannt). Harun Farocki beobachtet deren Schöpfer bei ihrer Arbeit. Eine verzweigte Welt tut sich auf, die aus Berater-Firmen, Relaunch-Analytikern, Mall-Zeitschriften und DesignerInnen besteht. Es gibt Labors, in denen untersucht wird, wohin der Blick des Kunden fällt und wie ein „spontaner“ Kauf verursacht werden kann. Präzise Überlegungen liegen dem Bau und seiner Eingliederung in eine Stadt ebenso zugrunde, wie Innenarchitektur und Warenpräsentation. Lebhaft wird diskutiert, ob Toastbrote neben dem Kuchen liegen sollen, ja, dürfen und vehement verteidigt ein Architekt seinen Entwurf vor einer Jury. Kreativität wird hier ausschließlich in den Dienst von Konsumverhalten, Corporate Identity und Absatzsteigerung gestellt. – Farocki, der immer die Funktionalität von Bildern befragt, montiert auch Aufnahmen aus der Perspektive der Mall-Kontroll-Technologie. Geräte zählen Kunden, verwandeln Menschen in Zahlen, Videokameras überwachen die Eingänge. Wer benutzt wann welchen Eingang? Welche BesucherInnen werden zu KäuferInnen? Deutschland 2001; Regie: Harun Farocki, Kamera: Ingo Kratisch, Rosa Mercedes; Schwarzweiß & Farbe; deutsche Originalfassung; 70 Minuten; Produktion: Harun Farocki Filmproduktion mit SWR, NDR, WDR; Verleih in Österreich: Sammlung Generali Foundation (Wien) ![]() ![]() ![]() (C) Sammlung Generali Foundation, Wien Harun Farocki (1944 Neutischein) wurde als Sohn eines indischen Arztes geboren. 1947 wurde die Familie nach Indien repatriiert, flüchtete vor dem Bürgerkrieg zwischen Hindus und Muslimen nach Indonesien und kehrte 1957 nach Deutschland zurück. 1966 begann Farocki an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin zu studieren, 1968 wurde er relegiert. Ab den 1990er Jahren erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Peter-Weiss-Preis für seine „filmische Ästhetik des Widerstandes, die den Stellenwert technischer Bilder in unserer Mediengesellschaft hinterfrägt“. Die Lecture hielt Barbara Hundegger. Sie eröffnete den feuilletonistischen Aspekt des Videodrom film & lecture indem sie in ihrer Kolumne zum Film auf die Vorgänge rund um und die Hintergründe zum Kaufhaus Tyrol detailfreudig aufarbeitet. Barbara Hundegger (1963 Hall in Tirol) lebt und arbeitet als freie Schriftstellerin in Innsbruck. Für ihre Lyrik wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Doch die Dichterin ist auch eine poetisch politische Kolumnistin, hält die Tradition aufrecht, mit kräftiger Wortkunst gesellschaftspolitische Tendenzen zu reflektieren. Videodrom film & lecture 6 (30. September 2007) BLEIBEN ODER GEHEN? Von Christina Zurbrügg & Michael Hudecek Ein kleines Dorf in den Schweizer Bergen: Kiental im Berner Oberland. Immerhin ging das Dorf wegen zwei Ereignissen in die Weltgeschichte ein: Lenin hielt hier eine Geheimsitzung ab und Friedrich Dürrenmatt erhielt hier Inspiration für seine Novelle „Die Mondfinsternis“, die er dann zum weltberühmten Theaterstück „Der Besuch der alten Dame“ weiterentwickelte. Der geheimnisvoll unbekannte Kameramann Landtwing filmte in den 50ern über mehrere Jahre das Leben der Menschen in Kiental und gewährt seltene Einblicke in eine vergangene Welt. Nach seinem Tod schenkte seine Frau die Filmrollen dem Bären-Wirten, der sie alljährlich Einheimischen und Touristen vorführt. Viele Jahre später vertraute der Wirt Christina Zurbrügg die Filmrollen an. Zurbrügg gestaltete dieses Material zu einem Found-Footage-Remix, sie rapt und scratcht die liebevollen Aufnahmen wie ein DJ, setzt sie in einen Dialog mit der Tonspur, auf der Zitate von Dürrenmatt und Zurbrüggs Ethnopop-Kompositionen erklingen. Das Resultat ist eine sehr persönliche und verspielte Auseinandersetzung mit dem Dorf und der Ferne, mit der örtlichen Verhaftung und dem kosmopolitischen Wandern, mit dem Schritt der Zeit und seinen Zeichen in Film, Literatur und musikalischen Rhythmen. Ausgezeichnet mit dem Goldenen Drachen (Film- und Videofestival Spiez 07) Österreich/Schweiz 2006; Regie: Christina Zurbrügg & Michael Hudecek,; Musik: Christina Zurbrügg; Schnitt: Michael Hudecek; Zitate: Friedrich Dürrenmatt; Kamera: Hannes Julie Drapal / Herr Landtwing; Farbe; deutsche Originalfassung; Produktion und Rechte: GAMSfilm (Wien) ![]() ![]() ![]() BLEIBEN ODER GEHEN? von Christina Zurbrügg & Michael Hudecek Die lecture hielt Ralph Schlatter. Mit seinem Text „Volkskundliche Betrachtungen über die Kientaler“ verwandelt er das Videodrom film & lecture in ein Kabarett. Ralph Schlatter (1971 Schaffenhausen) lebt als Literat und Kabarettist in Zürich. Er schreibt Theater („Die heilige Johanna der Zierfische“, 2004), inszeniert poetisch-politisches Kabarett („schön&gut“, gemeinsam mit Anna-Katharina Rickert) und publiziert so wunderbare Erzählungen wie „Maliaño stell ich mir auf einem Hügel vor“ (2003), in der der Protagonist auf der Rückseite einer Kinoeintrittskarte vermerkt „Ich gehe das Weite suchen“. Schlatter war u.a. Marktschreiber von St. Johann und ist Preisträger des Salzburger Stiers. Videodrom film & lecture 5 (30. November 2006) LES DEUX VIES D’EVA – DIE ZWEI LEBEN MEINER MUTTER Eine filmische Spurensuche nach den Gründen der psychischen Erkrankung von Eva Hoffenberg, der Mutter der Regisseurin. Sie war Polin mit deutschen Wurzeln und heiratete nach dem Krieg einen Überlebenden des Warschauer Ghettos. ![]() Lecture: Sabine Gruber „Anmerkungen und Ergänzungen“ Sabine Gruber erweitert die persönliche Auseinandersetzung, die Regisseurin Hoffenberg mit ihrer Mutter führt, indem sie gegen die von ihr georteten historischen und persönlichen Leerstellen im Film rebelliert und ihnen genau recherchierte Tatsachen und Fragen entgegen stellt. „Je öfter ich den Film angeschaut habe, desto unbehaglicher war mir bei den individuellen Schilderungen. / Ich sehnte mich mehr und mehr nach Fakten, nach Aufklärung; dem Unausgesprochenen, Undurchschaubaren sollten zumindest Tatsachen unterlegt werden, nicht, um das Unausgesprochene zu interpretieren, sondern um das Monströse, das sich dahinter verbirgt, nicht durch eine unglaubliche emotionale Bandbreite (Zitat aus dem Film, Anmerkung VT) an Gefühlen, durch freundlich-familiäre Sprechweisen zum Verschwinden zu bringen.“ Durch Grubers Schürfungen wurde die persönliche Auseinandersetzung um die gesellschaftspolitische Variante erweitert. Das Videodrom film & lecture 5 wurde zu einem Zusammenprall zweier Haltungen und Umgangsweisen, Fragestellungen und möglichen Beantwortungen. In ihrer Ankündigung schreibt die TT fälschlich: „Sabine Gruber liest aus ihrem Roman ‚Die Zumutung‘.“ Nein, beim Videodrom werden originäre Texte zum Film verfaßt und gelesen!!! Videodrom film & lecture 4 (28. April 2006) EL PERRO NEGRO – GESCHICHTEN AUS DEM SPANISCHEN BÜRGERKRIEG Montagefilm von Filmchronist Péter Forgácz aus Amateurfilmmaterial gedreht im Spanien der 1930er und 1940er Jahre: Porträt der Empfindungen einer Epoche. ![]() Lecture: Sepp Mall „Wohin immer / es geht“ (Text in vier Sequenzen zu El perro negro) Sepp Mall ist der erste Literat, der nach dem Film liest. Er holt das Publikum quasi beim Nachspann ab. Langer Applaus, große Rührung. Videodrom film & lecture 3 (27. Jänner 2006) UNTERWEGS NACH ... HEIMAT (R: Barbara Gräftner, Österreich 2004) |